Kategorie: Texte

Zum Lesen und Hören: Prosa, Lyrik und dazwischen.

Laufen

Laufen

Am Badehaus hörte der Weg nicht auf, sondern führte durch das Schilf zum Ufer. Schon jetzt ging ihr Atem schnell, sie war es nicht mehr gewohnt. Früher, mit Klaus, war sie zu Hause übern Feldweg zum Bach gelaufen, jeden Tag außer freitags.

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Pralinenmann

CaféSeinen Blick vergesse ich nie: Charly unten auf der Straße, wie er zu mir hochsieht. Die Taschen seines Sakkos ausgebeult und nass, seine Hände vom Schneematsch verdreckt. Sein Gesicht ganz verzerrt von Wut und Enttäuschung.

Dann wandte er sich ab und ging. Verschwand einfach in der Finsternis. Es war an diesem Abend wirklich finster, der Strom war ja ausgefallen. Meiner Wohnung gegenüber liegt der Friedhof, Grablichter schimmerten diffus, sonst nichts. Der Himmel war bewölkt, keine Sterne zu sehen und kein Mond, zu schweigen von der Milchstraße. Ein blindes Universum.

Das Wort „Freund“ habe ich im Zusammenhang mit ihm das erste Mal in den Mund genommen, da war er schon fort.

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Was zum Hören

© tiero - Fotolia.comAuf Kubiss.de, dem Nürnberger Kultur- und Bildungsserver, gibt es seit fünf Jahren den Literatur-Podcast „Wir lassen lesen“, initiiert und organisiert von der Regionalgruppe Mittelfranken des Verbands Deutscher Schriftsteller (VS).

Dort ist jetzt meine Erzählung „Reparaturen“ zu hören, außerdem habe ich einige Fragen zu meinem Schreiben beantwortet. Der Beitrag war Anfang April auch bei radio z zu hören. Dank an Madeleine Weishaupt vom VS Mittelfranken und an Tobias Lindemann von radio z für die nette Einladung zum Podcasten!

Hier kann man hören, was dabei herausgekommen ist:

» „Wir lassen lesen“, Ausgabe April: Ulrike Schäfer

Über Jonna (Auszug)

KulturGut

KulturGut 2

Sie standen im Vorraum des Friedhofsgebäudes, die Regenschirme lehnten aufgespannt in der Ecke. Gegenüber war die Urne aufgebahrt, weiße Plastik-Lilien rankten darum, und Michael staunte, wie schön das aussah.
Der Pfarrer trat ein, die Haare nass von der kurzen Strecke zwischen Kirche und Vorraum, und begrüßte sie mit gedämpfter Stimme, erst Mutter, dann Jonna, dann Michael. Er stellte sich neben die Urne, und dann begann die kleine Zeremonie.
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