Kategorie: Texte

Zum Lesen und Hören: Prosa, Lyrik und dazwischen.

Wörter, Wörter

Denen gewidmet, die
Bindfaden
zum ersten Mal sagten und Anrainer,
Kurzwaren und fidel oder Fadenschein.
Mondsichel und Alabaster,
Lüster,
lupenrein oder
Tender.

Zaungast,
Verlangen (grundlos),
Botengänge (vergebens),
Kuhle, Untiefe und
Gemüt.

Zu schweigen von
Ja, Nein,
Aber und Doch, Koch-
nische und Verkehr, Gegen-
gerade und Fremde.

Gewidmet denen, die suchten und fanden,
was fast, aber nicht ganz
genau das meint,
was zu sagen wäre noch lange, lange
vor Erreichen des Meeresbodens.

Meer

Laufen

Laufen

Am Badehaus hörte der Weg nicht auf, sondern führte durch das Schilf zum Ufer. Schon jetzt ging ihr Atem schnell, sie war es nicht mehr gewohnt. Früher, mit Klaus, war sie zu Hause übern Feldweg zum Bach gelaufen, jeden Tag außer freitags.

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Ich hab ein Auge …

Wasser

© Ulrike Schäfer 2015

Ich hab ein Auge,
das schließt sich beim Lachen.
Seine Schwester hab ich gerade
in deinem Gesicht entdeckt.
Wir müssen verwandt sein!
Die gleiche Furche im Lid! Vielleicht
dass wir uns einst aus demselben Wasser rollten, schwerfällig nebeneinander her,
seltsame Säugetiere mit Furcht im Bauch
und Sehnsucht und
dieser unerklärlichen Vorfreude.


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Pralinenmann

CaféSeinen Blick vergesse ich nie: Charly unten auf der Straße, wie er zu mir hochsieht. Die Taschen seines Sakkos ausgebeult und nass, seine Hände vom Schneematsch verdreckt. Sein Gesicht ganz verzerrt von Wut und Enttäuschung.

Dann wandte er sich ab und ging. Verschwand einfach in der Finsternis. Es war an diesem Abend wirklich finster, der Strom war ja ausgefallen. Meiner Wohnung gegenüber liegt der Friedhof, Grablichter schimmerten diffus, sonst nichts. Der Himmel war bewölkt, keine Sterne zu sehen und kein Mond, zu schweigen von der Milchstraße. Ein blindes Universum.

Das Wort „Freund“ habe ich im Zusammenhang mit ihm das erste Mal in den Mund genommen, da war er schon fort.

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Beluga

Beluga
Die Powerpoints
sagt er
bis Dienstag
sagt er
während wir wandern von Block F nach B

Die Bagger hinter E heben sandigen Grund aus
Bis Dienstag, spätestens Zwölf, sagt er und
Portfolio, Quintessenz und die Übersichtsseite und
Ich halte kaum Schritt
Der Shuttle ist wieder nicht gekommen
Meine Stimme, atemlos, sagt: Dienstag

Aber da, drüben auf dem Rasen
wie hingezaubert für Kinder liegt sie
für Märchen
für alles, was nicht ist
Die Schlange mit dem Elefanten im Bauch
wie einzig wirklich
(abgesehen vom Fluss, abgesehen vom Flattern seiner Krawatte im Augenwinkel)

Cities of Literature

Cities of LiteratureAm Freitag, den 1. Mai 2015 findet in Rochester, NY, ein Leseabend der besonderen Art statt:  Texte von Autorinnen und Autoren aus den Partnerstädten in aller Welt werden zu hören sein, darunter Würzburg – und ich habe die Freude, mit dem Anfang einer Geschichte aus dem Erzählband „Nachts, weit von hier“ vertreten zu sein, der im August bei Klöpfer & Meyer erscheint.

Aus diesem Anlass entstand ein Video, das man hier schon mal sehen kann. Ein herzliches Dankeschön an Vogel Business Media für die unglaublich schnelle und tolle Unterstützung!

Alle Texte werden am 1. Mai in der Originalsprache gelesen, teils per Video von den Autorinnen und Autoren selbst, und danach auf englisch. Ich freue mich schon sehr darauf, virtuell dabei zu sein! Und finde die Idee so toll, dass man sie glatt kopieren sollte …

Auszug aus dem Erzählband „Nachts, weit von hier“. Erscheint im August 2015 bei Klöpfer & Meyer.

Was zum Hören

© tiero - Fotolia.comAuf Kubiss.de, dem Nürnberger Kultur- und Bildungsserver, gibt es seit fünf Jahren den Literatur-Podcast „Wir lassen lesen“, initiiert und organisiert von der Regionalgruppe Mittelfranken des Verbands Deutscher Schriftsteller (VS).

Dort ist jetzt meine Erzählung „Reparaturen“ zu hören, außerdem habe ich einige Fragen zu meinem Schreiben beantwortet. Der Beitrag war Anfang April auch bei radio z zu hören. Dank an Madeleine Weishaupt vom VS Mittelfranken und an Tobias Lindemann von radio z für die nette Einladung zum Podcasten!

Hier kann man hören, was dabei herausgekommen ist:

» „Wir lassen lesen“, Ausgabe April: Ulrike Schäfer